Samstag, 26. Februar 2011

Inhaltliche Öffnung statt Quotendiskussion

Vor wenigen Tagen forderten mehrere liberale Parteikolleginnen die Einführung einer Frauenquote in der FDP. Unabhängig davon, ob man für oder gegen Quotenregelungen ist, so ist doch die Reaktion vieler männlicher, aber auch weiblicher Parteikollegen verwunderlich.
Statt sich einer sachlichen Diskussion hinzugeben und sich selbstkritisch die Frage zu stellen, wieso es so wenig Frauen in der FDP gibt und wie man die Zahl der weiblichen Mitglieder erhöhen kann, schlägt die Stimmung in ein eher unliberales Verhalten um. Plötzlich werden viele liberale Politikerinnen zur Zielscheibe von Spott und Häme. Ein Großteil der FDP-Politikerinnen – so scheint es – ist nur aufgrund von Äußerlichkeiten in den Parlamenten vertreten. Und wenn es nicht das Äußere ist, dann sind sie über die informellen Quoten aufgestiegen. Anhand der vielen Diskussionen auf Plattformen wie Facebook wird deutlich, dass diese Denkweise keine Seltenheit ist. Anstatt sich mit dem Thema auseinander zu setzen, werden die Diskussionen mit Forderungen nach Müllmännerquoten ins Lächerliche gezogen. Zudem melden sich immer mehr weibliche Mitglieder, die Angriffe dieser Art ertragen müssen. Vor allem die Frauen, die sich für die Frauenförderung – ohne Quoten! – einsetzen, ernten von den männlichen Kollegen absolutes Unverständnis oder werden verhöhnt. Die Tatsache, dass wir eine besonders männerdominierte Partei sind, scheint sie nicht zu interessieren bzw. wird nicht als Nachteil wahrgenommen. Im Gegenteil – man(n) ist ganz glücklich über die aktuelle Situation und verfällt in Altherrenchauvinismus. Doch ist es das, was die FDP will? Sollten wir nicht die Vielfalt in unserer Partei fördern? Oder ist es etwa unser Ziel, eine homogene Masse zu bilden?
Nun können wir selbstverständlich die Quotendiskussion ignorieren und Anträge dazu abschmettern. Doch sollten wir auch die Tatsache ignorieren, dass die FDP für Frauen scheinbar nicht attraktiv genug ist? Wäre an dieser Stelle nicht etwas mehr Selbstkritik angebracht? Es wird Zeit, dass die FDP sich überlegt, wie sie Frauen für die liberale Sache gewinnen will. Natürlich lässt sich der Frauenmangel mit einer Quote kaum beheben. Wo keine Frauen sind, können auch Quoten keine herbeizaubern. Aber es gibt mehr als nur die Methode der Quoten (zur Quoten-Diskussion: Frauenquote). Stattdessen könnte man sich etwa im Rahmen des neuen Grundsatzprogramms verstärkt mit Themen wie z. B. der Vereinbarkeit von Beruf und Familie befassen. Schließlich ist genau das eine der Herausforderungen, denen sich besonders junge Frauen – und natürlich auch Männer - immer häufiger stellen müssen. Das Befassen auch mit denjenigen Themen, die gerade für Frauen von Bedeutung sind, könnte eine sehr viel effizientere Methode zum Gewinnen von Frauen sein als eine brachiale und vor allem unliberale Quote.
Welche Methode sie jedoch auch immer wählt: Eine Partei, die sich den Liberalismus auf die Fahnen schreibt, sollte fähig sein, Frauen wie Männer für sich zu gewinnen.

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